Warum das Üben auch in den Ferien wichtig ist

von Aloisia Dauer

Die Osterferien stehen vor der Tür und das bedeutet unterrichtsfreie Zeit auch vom Musikunterricht. Aber was passiert, wenn das Üben mit dem Instrument für eine längere Zeit pausiert wird? Wie können die Ferien eingeteilt werden, sodass Schüler:innen sich erholen können, aber auch nicht alles aus dem Musikunterricht vergessen? In diesem Blogbeitrag möchte ich zeigen, wie Schüler:innen auch in den Ferien zum Üben motiviert werden können. 

Warum das regelmäßige Üben wichtig ist

Beim Erlernen eines Instruments geht es viel darum, Bewegungsmuster zu verinnerlichen. Um die motorischen Fertigkeiten für das jeweilige Instrument zu erwerben, braucht es eine hohe Anzahl an Wiederholungen – wie beim Sport auch. Je häufiger eine Bewegung wiederholt wird, desto besser prägt sie sich im Muskelgedächtnis ein und die Muskeln werden mit der Zeit gestärkt. Sobald wir das Training pausieren, verlernt das Gehirn die ersten Mikrobewegungen in den Muskeln. Bei längeren Pausen werden dann auch Muskeln wieder abgebaut. Schließlich leidet auch die Kondition darunter. Was für den Sportler gilt, gilt genauso für Musiker:innen. Daher sollten zu lange Trainings- bzw. Übepausen vermieden werden.

Wie Üben in die Ferien eingeplant werden kann

In meinem Unterricht hat sich bewährt gemeinsam mit den Schüler:innen in der letzten Stunde vor den Ferien einen Übeplan zu erstellen. Ich frage nach, wie die Ferienpläne aussehen und an wie vielen Tagen die Schüler:innen überhaupt zu Hause sind oder ob sie verreisen. Daran angepasst wählen wir die Musikstücke für die Ferienzeit aus. Es muss nämlich auch nicht immer Neues einstudiert werden. Ferien eignen sich gut zum Wiederholen von technischen Übungen, dem Spielen von Lieblingsliedern oder zum sicheren Einstudieren eines bereits bekannten Musikstücks. Bei jüngeren Schüler:innen spreche ich mich zusätzlich auch mit den Eltern ab. Einerseits, um verlässliche Informationen über die Ferienplanung zu bekommen. Nicht immer wissen die Kinder schließlich alles! Andererseits erläutere ich ihnen die Wichtigkeit des regelmäßigen Übens.

Ohne Instrument üben

Das setzt natürlich voraus, dass das Instrument erreichbar bist. Was tun, wenn die Familie die ganze Ferienzeit unterwegs ist? Die Geige ist schnell im Auto verstaut. Bei Klavier oder Schlagzeug sieht es da schon anders aus. Aber auch hier gibt es geeignete Alternativen. Schlagzeugschüler:innen können sich z.B. eine Übepad zulegen. Dieses ist meist nur so groß wie ein Essteller und passt gemeinsam mit ein paar Stöcken in jeden Rucksack. Darauf können Paradiddle und andere technische Übungen praktiziert werden. Streicher:innen haben zum Beispiel die Möglichkeit Finger- und Bogenübungen mit einem Stift zu trainieren. Darüber hinaus können Schüler:innen immer Musiktheorie lernen, Stücke anhören und analysieren, die zu übende Melodien singen oder mental üben. So bleibt man auch in den Ferien in der Routine.

Wie erstelle ich einen Übeplan?

Ein Übeplan zu erstellen und den richtigen Zeitpunkt für die Übezeit zu finden ist sehr individuell. Das ist abhängig vom Instrument und vom Ausbildungsstand. In den ersten Unterrichtsjahren sollte im Idealfall drei bis vier mal in der Woche für etwa 10 bis 15 Minuten das Instrument gespielt werden. Diese Regelmäßigkeit ist wichtig, weil es gerade zu Beginn ums Lernen von Bewegungsmustern beim Spielen geht. Es muss aber nicht immer die schwierigste Übung sein, denn auch freies improvisieren und experimentelles Üben zählen, gerade an den unmotivierten Tagen. Wenn Schüler:innen mehr als 30 Minuten Unterricht erhalten und die Stücke länger werden, dann wird auch automatisch die Übezeit länger. Jedoch sollte spätestens nach 45 Minuten eine kurze Pause eingeplant werden. Längere Übezeiten sind abhängig von den jeweiligen Zielen der Schüler:innen. Natürlich bieten längere Einheiten mehr Raum, um komplexere Übungen zu erarbeiten. Im Zweifelsfall gilt aber: Lieber regelmäßig und kurz, statt selten und lang! Die Konsistenz in den Übeeinheiten ist der Schlüssel, um das Verlernen zu verhindern und letztlich weitere Fortschritte zu machen. Ein Übeplan kann eine Mischung aus Wiederholungen von bereits bekannten technischen Übungen zur Absicherung sein. Außerdem kann das Weiterlernen eines bereits begonnen Werks oder zum Beispiel dem auswendig lernen geübt werden.

Die Ferien eignen sich sehr gut zum Ausprobieren der besten Tageszeit. Ich empfehle ein Zeitfenster zu nutzen, in dem die Schüler:innen die meiste Konzentration und Energie haben. Diese sollten fest in den Kalender eingetragen und abgesprochen werden, damit sie nicht mit anderen Ferienaktivitäten in Konflikt geraten. Ohne gute Planung ist die Gefahr groß, dass der Tag vorüber zieht und am Abend keine Energie mehr übrig ist. Eltern dürfen und sollen ihre Kinder sogar ans Üben erinnern. Die meisten, vor allem schulpflichtigen Kinder, brauchen die Erinnerung. Aber keine Sorge, das heißt meistens nicht, dass sie ihr Instrument nicht gerne spielen!


Mit digitalen Lernhilfen das Üben unterstützen

 Gerade für die Ferienzeit eignen sich digitale Lernhilfen, weil die Schüler:innen dadurch zu Hause besser unterstützt werden können. Außerdem können Fertigkeiten trainiert und vertieft werden, die im sonstigen Unterricht weniger abgebildet werden. Die Musik-Apps von doozzoo eignen sich dafür hervorragend, weil auch außerhalb des Online-Unterrichts die Schüler:innen direkt auf der Homepage darauf Zugriff haben. Im Folgenden beschreibe ich einige der Tools sowie deren Einsatz.

Üben mit dem Stimmgerät

Die meisten Instrumente müssen vor dem Spielen gestimmt werden und das sollten Schüler:innen auch schon von Beginn an selbständig lernen und üben. Auch in doozzoo gibt es die Möglichkeit sein Instrument zu stimmen. Eine Möglichkeit ist dem Stimmgerät einen Ton vorzuspielen. Die Anzeige gibt dann an, welcher Ton gespielt wird und ob dieser zu hoch oder zu tief ist.
Gerade in Ensembles wie im Orchester wird aber mit einem Stimmton gestimmt. Deshalb empfehle ich folgende Übung: Stimmgerät einschalten und den Stimmton auswählen. Jetzt muss der:die Schüler:in das Instrument so lange stimmen, bis beide Töne gleich klingen. Wenn er glaubt richtig gestimmt zu haben, kann er anschließend das Stimmgerät auf den Hören-Modus umstellen. Nun zeigt dieses an, ob richtig gestimmt wurde.
Noch eine Stufe weiter geht es bei Streichinstrumenten, wie der Geige. Hier wird meist nur mit dem Kammerton A gestimmt. Das heißt, zunächst wird die A-Saite gestimmt. Die anderen Saiten werden im Quintintervall oder beim Kontrabass in Quarten gestimmt, in dem beide Saiten gleichzeitig oder hintereinander gespielt werden. Auch hier können Streicher:innen ihre Stimmung anschließend mit dem Stimmgerät überprüfen.

Tempo halten zum Metronom

Schüler:innen neigen dazu Stücke in ungleichmäßigem Tempo zu üben und spielen. An schwierigen Stellen werden sie oft langsamer, bei einfachen Passagen wird das Tempo angezogen. Mit dem Metronom können sie üben, zu einem festen Tempo zu spielen. Gerade schwierige Phrasen müssen erst einmal in einem langsamen Tempo erlernt und verstanden werden. Die Schüler:innen können dann nach und nach das Tempo erhöhen bis das Zieltempo erreicht ist. Für jedes Instrument gibt es Übungen, die bestimmte Bewegungsmuster trainieren sollen, etwa Rudiments oder Skalen. Ich empfehle ein paar dieser Übungen rauszusuchen und für jede ein Zieltempo zu definieren.

Musiktheorie und Gehörbildung mit dem Keyboard

Die in doozzoo integrierte Klaviertastatur eignet sich sehr gut für Musiktheorie und Gehörbildung. Solche Übungen kommen in den Schulwochen oft zu kurz, weil oft keine Zeit im Unterricht dafür übrig bleibt. Musiktheoretische Kenntnisse sind aber eine wichtige Grundlage, egal welches Instrument gelernt wird. Schüler:innen können anhand der Klaviertastatur Übungen zur Musiktheorie machen und lernen, wie man Noten, Intervalle, Akkorde und Tonleitern liest und auf dem Klavier spielt. Gerade für junge Schüler:innen gibt es empfehlenswerte Theoriehefte mit Aufgaben, die altersgerecht gestaltet sind, wie “Abenteuer Musiktheorie”, “Notenrätsel mit Dobi” oder “Harmonielehre im Selbststudium” von T. Krämer für die Fortgeschrittenen. Zum Lösen der Aufgaben ist die Klaviertastatur sehr hilfreich.

Selbstkontrolle mit dem Rekorder

Für Schüler:innen ist es immer schwierig sich neben dem eigentlichen Spielen des Stücks gleichzeitig selbst beurteilen zu können. Im Unterricht macht dies die Lehrkraft. Mit doozzoo ist es möglich sich selbst beim Spielen aufzunehmen und das in guter Qualität. Lassen Sie Ihre Schüler:innen sich selbst beim Spielen aufnehmen. Anschließen sollen sie analysieren, was man besser machen kann oder welche Stellen noch einmal wiederholt werden müssen.

Eine Aufnahme kann auch als digitale Hausaufgabe genutzt werden. Die Aufnahmen lassen sich nämlich einfach über die Medienbibliothek mit der Lehrkraft teilen. So definieren Sie gleichzeitig auch ein Lernziel.

Viele meiner Kolleg:innen berichten, dass ihre Schüler:innen viel Spaß bei der Erstellung solcher Aufnahmen haben. Ihr Ehrgeiz eine gute Aufnahme zu erzeugen motiviert sie noch mehr zu Üben.

Alles dabei in der Medienbibliothek

Über die Medienbibliothek haben Schüler:innen immer Zugriff auf Noten und anderes Übematerial. Ich empfehle hier nochmal einen Blick reinzuwerfen. Haben meine Schüler:innen alles, was sie brauchen? Weil es sich hier um eine Cloud-Basierte Lösung handelt, ist es unabhängig welches Endgerät in den Ferien benutzt wird. Auch am Tablet der spanischen Tante haben Schüler:innen also alles dabei. Mein Tipp: Mit dem Rekorder eine Übung oder ein Stück als Referenz für die Schüler:innen aufnehmen und hochladen. So können sie sowohl visuell als auch auditiv lernen.

Das Wichtigste kommt zum Schluss!

In diesem Sinne wünsche ich gemeinsam mit dem doozzoo-Team allen schöne Ferien mit erholsamen Tagen und viel Freude beim Musizieren.

Über die Autorin

Aloisia Dauer

Aloisia Dauer ist Geigerin, Lehrerin an der Musikschule Grünwald e.V., Fachberaterin Violine für die Bayerischen Sing- und Musikschulen und Gründerin von Your Music Mind. Ihre Ausbildung schloss sie mit Auszeichnung an der Universität Mozarteum Salzburg bei Prof. Igor Ozim und Prof. Harald Herzl ab, wo sie bereits als Jungstudentin aufgenommen wurde. Ihre große Leidenschaft ist die Kammermusik. Sie konzertiert mit namhaften Künstlern bei internationalen Festivals und Konzerten. Neben ihrer Konzerttätigkeit unterrichtet sie ihre Violinklasse und als Dozentin bei internationalen Meisterkursen. Zudem arbeitet sie mit Bildungsunternehmen wie doozzoo by C. Bechstein, Ernani GmbH und mit Musikverlagen zusammen. Von BR-Klassik erhielt sie 2019 eine Auszeichnung zu „Bayerns beliebtesten Musiklehrer*innen“.

Your Music Mind ist mit dem Wunsch entstanden, eine Plattform zu schaffen rund um das Thema Üben, mit Lernhilfen wie dem Übetagebuch, Blog, Videos, Interviews mit Musikern und Workshops, um Musikschülern und Eltern praktische Übestrategien für die Übezeit zu Hause mitzugeben und sie beim Lernen zu unterstützen. Damit Schüler mit Freude musizieren und üben!

https://aloisiadauer.de

www.yourmusicmind.com

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