Ric Engelhardt mit doozzoo unterwegs

Online-Musikunterricht auf dem Meer (Teil 1) | doozzoo on Board mit Ric Engelhardt

Für die heutige Spezialfolge hatten wir wieder jemanden ganz besonderes zu Gast. Ric Engelhardt ist studierter Jazzpianist, Keyboarder und vieles mehr. Live aus Berlin erzählt er, was er so macht und teilt seine langjährigen Erfahrungen mit dem Online-Musikunterricht. Auch er hat schon unter sehr besonderen Bedingungen Musikschüler unterrichtet. Wie es ist, von einem Schiff aus zu unterrichten und was es bedeutet, Ozeanpianist zu sein, erfährst du in der neusten Ausgabe von Coach on a Couch Spezial! Jetzt in den ersten Teil reinhören oder Zusammenfassung lesen.

HIER geht es zur Podcast Folge. (Du wirst zu Anchor weiter geleitet)

Könntest du dich einmal für uns vorstellen?

Ric: “Gerne. Ich bin Ric Engelhardt, Musiker und wohne in Berlin. Ich mache mein Leben lang schon Musik und habe schon als kleiner Junge angefangen, Klavier zu lernen. Nachdem ich anfing in die Schule zu gehen, stand nie mehr im Raum, irgendetwas anderes zu lernen oder einen anderen Beruf zu ergreifen. Es war ein relativ gerader Weg. Deshalb habe ich Jazz Piano in Berlin studiert und wohne seitdem auch dort.

Das hat sich alles gut ergeben. Die vielen Bands, Projekte und Kontakte, die man währenddessen knüpft, sind ein großer Vorteil für das Musikstudium. Das gemeinsame Musizieren, mit anderen Verrückten zusammen sein, den ganzen Tag nur Musik im Kopf haben, neue Leute kennenlernen und vieles ausprobieren fand ich sehr gut. Deshalb bin ich seitdem auch sehr vielseitig interessiert.

Wenn ich mich auf eine Sache beschränken müsste, wäre es das Musikerdasein. Eigentlich ist es jedoch der gesamte Musik-, Medien- und Lernbereich, der mich interessiert. Ich spiele selbst und stehe gerne mit Bands sowie in Shows auf der Bühne, bin Musical Director für Künstler und Sängerinnen. Genauso gerne unterrichte ich seit vielen Jahren. Mittlerweile habe ich schon drei Klavierbücher geschrieben; für eine Instrumentenfirma bin ich als Promoter unterwegs; bin Musikredakteur bei einer TV-Sendung…. Diese Vielseitigkeit gefällt mir sehr.”

Du unterrichtest schon sehr lange, auch online. Wie lange genau?

Ric: “Tatsächlich sind es letztlich 25 Jahre, die in Musikschulen bereits unterrichte. Davor hatte ich schon ein oder zwei Jahre privat Leute unterrichtet. Ich glaube, ich wäre kein hundertprozentiger Lehrer, wenn ich nur unterrichten würde.

Teilweise sind es ein bis zwei Tage die Woche, mal sind es drei Unterrichtstage. Das in Verbindung mit dem Live-Spielen und auf der Bühne stehen gefällt mir. Es gibt immer diese Neugier rechts und links. Was gibt’s Neues? Was gibt’s an Musik und an Technik? Das ganze Medien-Business fasziniert mich zum Beispiel. Es geht nicht nur ums Spielen auf der Bühne, sondern auch mal ums Gucken, wie es dahinter so abläuft. Auf diese Weise kann ich meinen Schülern viel Praxiserfahrung und Hintergrundwissen mitgeben.

Das sind dann die sog. Softskills, die ich meine. Es ist nicht nur das reine „ich bringe dir jetzt am Klavier was bei“. Es gibt unendlich viel an musikalischem Material, was man vermitteln kann. Oft ist es dann doch ein zu trockener, zu theoretischer Musikunterricht.

Es geht beim Unterrichten jedoch auch um eine gute Schüler-Lehrer-Beziehung und den Spaß am Livespielen. Man kann die Schüler dazu ermutigen und viele wertvolle Tipps geben. Erst dann kann man Musikunterricht geben, der den Schülern wirklich Spaß macht. Sie fangen an zu merken, warum sie etwas gerade tun. Wofür lernen sie gerade etwas?

Ich habe es als Kind gehasst, wenn ich irgendwelche Übungen einfach machen musste. Es wurde gesagt, na die musst du einfach machen oder üb dies oder jenes durch alle 12 Tonarten. Ich habe mich immer darum gedrückt. Aber wenn man weiß, wofür man es macht, ist man motiviert.

Motivation brauchen wir alle. Je mehr wir machen und über den Tellerrand schauen, desto größer wird unser Gesamtbild.”

Wie und warum hast du mit dem Online-Musikunterrichten angefangen?

Ric: “Angefangen hat es vor zehn bis zwölf Jahren. Meine Initialzündung dafür war eine Schülerin, die ich auch immer noch habe. Sie kommt aus Seattle in den USA und hat dort auch noch Familie, wohnt selbst aber in Berlin. Sie ist zwar keine Berufsmusikerin, aber spielt gerne Klavier. Ein bis zweimal pro Jahr fliegt in die USA zurück und bleibt dort für ein paar Wochen.

Da kam dann die Frage auf, was wir in diesen paar Wochen machen. Ich hätte ihr auch Material mitgeben können für die ganze Zeit, aber der persönliche Austausch war uns schon wichtig. Wir haben oft an Songs gearbeitet oder sie hat Aufnahmen von sich geschickt. Es war schon nötig, immer mal Feedback zu geben. Damals haben wir sogar noch Skype benutzt. Das war total aufregend. Für mich hat sich eine neue Welt damit geöffnet.

Mit ihr hat es dann angefangen. Kurz danach hatte ich einen Schüler, der war sieben oder acht Jahre alt. Er war musikalisch talentiert und auch technikbegeistert, weil sein Vater ein bisschen in dieser Keyboard-/Musikelektronik-Ecke unterwegs gewesen ist. Wenn wir zeitlich und örtlich nicht zusammengekommen sind, haben wir online Musikunterricht gemacht.

Das hat mir geholfen, mich mit der Zeit daran zu gewöhnen. Das beinhaltet natürlich auch die Einschränkungen, die damit einhergehen. Aber ich bin da sehr pragmatisch. Es geht nicht darum, was geht und was nicht. Es ist eine Möglichkeit. Aus den Vorteilen macht man einfach das Beste.

Später kam über Jahre viel Rumgereise. Sei es mal eine kleine Tour oder meine Schiffsfahrten. Da ist man auch mal ein paar Wochen unterwegs.“

Du hast über Schiffsfahrten gesprochen. Wie passen ein Expeditionsschiff und Musik für dich zusammen?

Ric: “Die beiden Dinge passen wunderbar für mich zusammen. Es ist auch kein Forschungsschiff. Es ist nicht so, dass ich jetzt mit Wissenschaftlern durch die Gegend gefahren bin. Seit einigen Jahren bin ich als Ozeanpianist unterwegs. Die letzte Reise war dieses Jahr mit der Hanseatic Spirit. Da gehen maximal 230 Passagiere drauf. Eher eine kleine, feine Runde und keiner dieser riesigen Kreuzfahrtgiganten. Da das Schiff klein und wendig ist, kann man in Buchten oder andere Orte fahren, zu denen die großen Schiffe gar nicht hinkommen können.

Ich mag das. Ich liebe das Meer und das Reisen. Es ist schön, Barpiano zu spielen, was ja die Hauptaufgabe eines Ozenapianist ist. Man sitzt zu festgelegten Zeiten da und je nach Tageszeit, Wetter und Stimmung der Leute spielt man aus einem möglichst großen Repertoire.

Ich bin einen knappen Monat mitgefahren. Gestartet sind wir in Hamburg und von da aus über Schottland und die Shetlandinsel nach Island. Dort haben wir in Buchten gehalten oder vor Küsten einfach geankert. Das war herrlich. Man hat viel sehen und erleben können.”

Wie lief die Absprache mit deinen Schüler:innen ab?

Ric: “Ich habe meinen Schülern selbstverständlich im Vorfeld Bescheid gesagt. Wenn jemand diese Art von Unterricht nicht gewollt hätte, hätten wir den Unterricht nachgeholt und bei Bedarf Übungsmaterial zur Verfügung gestellt. Das hätte ich natürlich akzeptiert, aber es gab niemanden, der diese Option gewählt hat. Demnach hieß es für mich, einfach weitermachen.”

Wie kann man sich deinen Tagesablauf als Ozeanpianist genau vorstellen?

Ric: “Es gibt an Bord dieser Kreuzfahrtschiffe meistens zwei Sachen. Es gibt die Bordband, wo es auch einen Pianisten und einen Keyboarder gibt. Zusätzlich gibt es den Barpianisten. Einer der Vorteile dessen ist es, dass es bis auf wenige Ausnahmen immer feste Spielzeiten gibt.

Als Bordband kann man nie so richtig planen. Da kommt mal ein Künstler an Bord, da wird nachmittags mal geprobt oder auch mal eine Poolparty vorbereitet. Als Pianist hatte man in meinem Fall drei Spots am Tag. Einen zur Kaffee- und Teezeit, einen vor dem Abendessen und den letzten danach in den Abend hinein.

Das war in mehrerer Hinsicht gut, denn ich wollte auch Land und Leute sehen. Ich war immer, sobald ich nicht gespielt oder unterrichtet habe, bemüht und gewillt draußen zu sein. Das ist das Schöne, wenn man feste Arbeits- und Einsatzzeiten hat als Musiker.”

Zu welchen Zeiten konntest du dann unterrichten? Wie sah der Online-Musikunterricht konkret aus?

Ric: “Es war klar, dass ich keine absolut festen Zeiten für den Online-Musikunterricht hinbekommen hätte. Auf dem Schiff gibt es immer mal einen Drill oder irgendwelche Sicherheitseinweisungen. Man muss auch mal einen Safetytest schreiben. Man hat also immer kleine Sachen, die im Tagesprogramm drinstehen, bei denen man da sein muss.

Deshalb habe ich versucht eine Mischung daraus zu machen. Zum Einen, dass ich in Echtzeit unterrichtet habe und zum Anderen, dass ich den Schülern Aufgaben gegeben habe. Das kam meinem Unterricht sehr entgegen. Die konnten dann auch selbstständig arbeiten und trotzdem regelmäßigen Kontakt mit mir halten.

Die doozzoo Medienbibliothek hat sich perfekt dazu geeignet. Das Aufnehmen und Versenden von Audio- und Videoaufnahmen hat wunderbar funktioniert. Genauso stelle ich mir meinen praxisorientierten Unterricht vor. Ich kann [meinen Schülern] Noten und Audios hinterlegen, die sie sich jederzeit angucken können. Sie können mir Feedback zurückschicken und Fragen stellen. Wir können sogar auf den Noten Einzeichnungen machen. Das ist super!

Das war wirklich eine Sache, die sich sehr gut mit dem Schiffsleben und der Arbeit dort vereinbaren ließ. Die Internetverbindung war auch erstaunlich gut. Viel besser als ich es erwartet hatte. Sicherlich kann es passieren, dass man zwei Tage nur auf See ist oder Unwetter herrscht.

Dort kommt die Medienbibliothek perfekt zum Tragen. Das komplett papierlose Arbeiten ist nicht zu unterschätzen. Man hat wirklich alles, was man für den Musikunterricht braucht direkt da und keine Rumschlepperei mehr. Das liebe ich wirklich, was wir heutzutage für Möglichkeiten haben, digital Unmengen an Material dabei zuhaben. Ich bin wochenlang weg und habe trotzdem Zugriff auf alles.”

Jetzt Part 2 lesen und hören!

Weitere Beiträge